Seine Lieblingsmusik immer und überall dabei haben, ohne sie erst auf das eigene Smartphone, Laptop oder den PC eines Freundes übertragen zu müssen? Klingt nach Zukunftsmusik? Die passende Lösung hat Amazon aber bereits Anfang dieser Woche vorgestellt. Der neue Dienst namens „Cloud Drive“ stellt von Haus aus 5 GB kostenlosen Online-Speicherplatz zur Verfügung, ähnlich wie Dropbox oder Microsoft Skydrive. Neu ist allerdings die Möglichkeit, über den „Cloud Player“ hochgeladene Musikdateien auf PC und mobilen Endgeräten mit Android-Betriebssystem abzuspielen. Damit kommt Amazon auch Apple und Google zuvor, die Gerüchten zufolge schon lange an einer ähnlichen Lösung arbeiten. Bei Apple soll z.B. der eigene Cloud Service Mobile Me um eine solche Funktionalität erweitert werden.
Ist die eigene Musik erst einmal in der Wolke, lässt sie sich künftig von jedem Browser aus abspielen („streamen“). Die Musik kann dabei über den Amazon-Player nach Alben, Künstlern und Genres gefiltert werden. Für Android Handys gibt es zusätzlich eine entsprechende Android-App, so dass man auch unterwegs z.B. über UMTS seine Musik abrufen kann. Bekommt man Lust auf neue Songs, so lässt sich über die App auch gleich im Amazon MP3-Shop stöbern und einkaufen. Vorteil hier: Erwirbt man ein MP3-Album über Amazon, gibt es gleich 20 GB Onlinespeicher gratis dazu. Möchte man einzig mehr Speicherplatz, so kostet jedes GB zusätzlich 1 Dollar. Nachteil wie bei vielen Cloud-basierten Diensten sind die langsamen Upload-Geschwindigkeiten. Erste User-Tests haben gezeigt, dass das Hochladen einer 25 MB großen Datei rund drei Minuten dauerte; trotz möglicher Upload-Geschwindigkeit von 1 MB/s. (Quelle) Will man große Musikbibliotheken in der Cloud Drive speichern, kann das also schnell zum Geduldsspiel werden. Immerhin umgeht Amazon das Problem beim Neukauf eines Albums. Hier kann man festlegen, dass das Album gleich in der Wolke gespeichert wird. Damit entfällt das zähe Hochladen vom eigenen Rechner. Zusätzlich kommt natürlich auch die Frage auf, wie viel Traffic letztlich das Streamen der Musik erzeugt. Insbesondere da bei den meisten Flatrate-Tarifen für mobiles Internet in Deutschland nach relativ kleinem Datenvolumen eine Drosselung einsetzt, die den Musikgenuss dann schnell trüben könnte.
Deutsche Nutzer können den neuen Amazon Cloud-Dienst bereits ausprobieren. Allerdings bisher nur über die englischsprachige Amazon-Webseite und beschränkt auf die 5 GB kostenlosen Ausgangsspeicher. Die Möglichkeit, zusätzlichen Speicher zu erwerben, steht deutschen Nutzern noch nicht offen und auch der „Cloud Player“ zum Streamen der Musik über den Browser ist noch nicht verfügbar.
Die Musikindustrie lauert
Bereits kurz nach Vorstellung wetterte die Musikindustrie, namentlich Sony Music, gegen den neuen Dienst von Amazon. Immerhin hat der Online-Händler nicht vorab mit den großen Plattenlabels über möglicherweise anfallende Lizenzkosten verhandelt. Zu Recht, denn die Nutzung von „Cloud Drive“ ist letztlich nichts anderes, als seine gekaufte Musik auf der eigenen Festplatte zu speichern. Amazon gibt nun aber offensichtlich dem Druck der Musik-Labels nach und tritt mit ihnen in Verhandlung. (Quelle) Vielleicht fallen bald ja doch noch Kosten für die „Cloud Drive“ an.
Wie stehen Sie zur „Cloud Drive“? Würden Sie gern Ihre Musik immer und überall abrufen können oder interessiert Sie ein solcher Service eher weniger?
Ich freue mich auf Ihre Kommentare.
Viele Grüße,
André Nagel