Noch kein halbes Jahr ist es her, dass Google mit seinem Street View getauften Panorama-Kartendienst wochenlang die deutsche Presse, Bevölkerung und vor allem Datenschützer intensiv beschäftigte. Die Welle des Protests war groß und ging quer durch die Gesellschaft; sogar die Politik schaltete sich ein. Und doch hat die Konfrontation Googles mit dem deutschen Verständnis von Privatsphäre offensichtlich nicht eindrücklich genug gewirkt. Nur so lässt sich erklären warum Microsoft am Dienstag (5. April) angekündigt hat, ab Mai mit eigenen Kameraautos deutsche Städte zu fotografieren. Doch brauchen wir den Dienst und eine neue Datenschutzdiskussion wirklich?

Bing Streetside

Bisher konzentriert sich Microsofts Suchmaschine Bing in Deutschland vor allem auf die Suche, obgleich mit Bing Maps auch ein zu Google Maps konkurrenzfähiges Produkt bereits integriert ist. Mit Bing Streetside will Microsoft nun Googles im letzen Jahr gestarteten Street View Dienst ernsthaft Konkurrenz machen. Am 9. Mai starten die Microsoft-Kamerawagen zunächst in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Augsburg – bis 2012 sollen 50 deutsche Städte aus der Panoramaperspektive betrachtet werden können. Die ersten Streetside-Aufnahmen werden dann bereits im Sommer in Bing Maps verfügbar sein. Der Vorteil, Microsofts neuer Dienst profitiert von der bereits seit langem bestehenden Kooperation mit dem Kartenanbieter Navteq. Dieser liefert zu den Bildern die detaillierten Informationen zu Straßenbedingungen und dessen Fahrzeuge sind es auch, die in ein paar Wochen mit Kameras ausgestattet durch Deutschland fahren. Im Gegensatz zu Google erfasst Microsoft dabei durch eine spezielle Technik ganze 3D-Aufnahmen der Städte. Diese lassen im Anschluss zu einem nahtlosen 3D-Modell zusammenfassen. Bing Streetside soll damit eine deutlich präzisere Abbildung der Wirklichkeit bieten als Google Street View.

Startschuss für eine neue Datenschutzdebatte?

Microsoft betonte am Dienstag, bewusst mit dem Start des Dienstes gewartet zu haben, „um intensiv mit Branchenverbänden, politischen Vertretern und Datenschützern zu sprechen.“ (Quelle) So hat Microsoft auch den auf der CeBIT in Hannover vorgestellten Datenschutzkodex für Geodatendienste mit unterzeichnet. Ab dem 8. April sollen zudem ein detaillierter Fahrplan der Kameraautos sowie ausführliche Informationen für Hausbesitzer, Mieter und Geschäftsinhaber im Netz bereitgestellt werden. (Link) Nicht zuletzt ist eine Einspruchsmöglichkeit, wie sie Google erst nach den massiven öffentlichen Protesten gegen Street View bereitstellte, bereits von vornherein eingeplant.

Ein fader Beigeschmack bleibt allerdings. Denn Betroffene können erst nach Veröffentlichung des Bildmaterials Einspruch gegen die Aufnahme ihres Hauses einlegen; dieser soll dann aber innerhalb von 48 Stunden bearbeitet werden. Die Kritik von Seiten der Politik ließ nicht lange auf sich warten. So hat Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner zwar generell keine Einwände gegen Microsoft Kartendienst, sieht in der Frage des Einspruchs allerdings in jedem Fall Nachbesserungsbedarf. Auch das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht hat bereits angekündigt, ohne Vorab-Einspruchsmöglichkeit die Veröffentlichung der Bilder womöglich mithilfe eines Erlasses zu untersagen.

Obwohl Microsoft einige Vorkehrungen getroffen hat, um einer großen Datenschutz-Debatte in Deutschland aus dem Weg zu gehen, wird diese sicherlich nicht ausbleiben. Zu Recht werden sich Hausbesitzer gegen die erst verspätete Einspruchsmöglichkeit wehren. Dass die Proteste ähnlich laut werden wie im Falle von Street View, ist allerdings zu bezweifeln.

Was meinen Sie, braucht Deutschland noch einen Dienst wie Google Street View? Wie häufig haben Sie Street View bisher bereits genutzt und wie stehen Sie zur Datenschutzdebatte hinsichtlich der Geokartendienste?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare,

Viele Grüße,

André Nagel

Bing Streetside | Der neue Street View Konkurrent

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