Stellen Sie sich einmal vor, Sie erkunden eine fremde Stadt. Sofort erkennt Ihr Handy, wo Sie sich befinden, zeigt Ihnen Sehenswürdigkeiten, Hotels und Cafés an. „Praktisch, dieser digitale Reiseführer“, denken Sie sich und beginnen Ihre Entdeckungstour. Etwas später sehen Sie auf dem Display: Eine Bekannte ist auch in der Stadt. Ein kurzer Anruf und Sie verabreden sich zum Kaffee. Die Wahl des Treffpunkts fällt nicht schwer, denn das nette Restaurant in der Seitenstraße hat Sie mit einem digitalen Gutschein eingeladen. Zu zweit genießen Sie wenig später Ihren Kaffee und freuen sich über das spontane Treffen.

Ortsbasierte Dienste erobern den Alltag

Zukunftsmusik sind solche Szenen längst nicht mehr. Location Based Services wie Foursquare und Gowalla haben ihren Platz in der global vernetzten Welt eingenommen. Das Prinzip dahinter ist simpel: Wenn sich der Nutzer mit dem Smartphone an seinem Aufenthaltsort eincheckt, senden GPS-Daten die genaue Adresse an Freunde und Bekannte. Gleichzeitig erfährt er, wer und was sich in seiner unmittelbaren Nähe befindet. Als spielerischen Anreiz, sich immer wieder neu an verschiedenen Orten einzuchecken, vergibt der Dienst virtuelle Titel und Trophäen an die Nutzer.

Geodienste sind längst kein Massenphänomen wie Facebook und Twitter, aber die Zuwachsraten beeindrucken. Mehr als 100.000 aktive Nutzer hat allein Foursquare in Deutschland. Jeden Tag erfreuen sich mehrere tausend Menschen ihres ersten Check-Ins – eine Tendenz, die angesichts der zunehmenden Verbreitung mit GPS-Chips bestückter Handytypen weiter steigen dürfte.

Foursquare und Co. bieten enormes Werbepotenzial

Für Unternehmen ergeben sich aus diesen innovativen Diensten neue Perspektiven. Gerade  kleineren lokalen Geschäften bieten Foursquare und Co. profitable Werbekanäle. Kombiniert mit dem Instrument des Mobile Couponing vereinfachen sie beispielsweise die Kundenakquise: Geodaten informieren das Unternehmen darüber, welche potenziellen Kunden gerade in der Nähe sind. Daraufhin erhält der Nutzer via MMS oder E-Mail einen Gutschein direkt aufs Handy, der im Geschäft eingelöst werden kann.

Nach dem gleichen Prinzip lassen sich auch Stammkunden ermitteln und für ihre Treue mit Sonderangeboten belohnen. Mit einem Musterbeispiel geht die Restaurantkette „Vapiano“ voran: Kunden, die sich über Foursquare am häufigsten in einer Filiale einchecken, erhalten den Titel des „Mayors“ und damit bei jedem weiteren Besuch eine Kaffeespezialität gratis.

Mundpropaganda und Marktanalyse

Nicht zu unterschätzen sind die viralen Effekte, die sich aus der Kommunikation der Nutzer geosozialer Netzwerke untereinander ergeben. So gewinnen lokale Unternehmen etwa dadurch an Aufmerksamkeit, dass Kunden ihre Lieblingsplätze im Internet an Freunde und Bekannte weiterempfehlen.

Darüber hinaus bieten Geodienste Firmen auch zusätzliche Möglichkeiten der Marktanalyse. Via Foursquare lassen sich beispielsweise Statistiken anfordern, die Auskunft über die häufigsten Besucher, ihre geschlechtliche Zusammensetzung oder die Uhrzeit ihrer Ckeck-Ins geben.

 

Kritik von Datenschutzrechtlern

Auf den ersten Blick erscheint das Marketingpotenzial geosozialer Netzwerke riesig: Sie können effektiv zur Kundenbindung eingesetzt werden, bieten zusätzliche Analyse-Elemente und das gratis. Doch Datenschützer kritisieren die werbliche Nutzung von Foursquare und Co. als einen weiteren Schritt hin zum „gläsernen Menschen“. Sie warnen vor dem Missbrauch von Bewegungsprofilen und könnten damit einige Verbraucher vom Check-In abhalten.

Vermarkten Sie Ihr Geschäft bereits über Geodienste? Für wie zukunftsfähig halten Sie diese neuen Marketingkanäle?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Viele Grüße

Franziska Bravo Roger

Geodaten für eine bessere Kundenbindung

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