Zu seinem Start im Juni 2011 wurde das Soziale Netzwerk Google+ mit Lobeshymnen überhäuft. Als erster ernstzunehmender Konkurrent betrat Google den bisher von Facebook dominierten Markt der Sozialen Netzwerken. Seine Hausaufgaben hatte man in jedem Fall gemacht: Ob transparente Privatsphäre-Einstellungen, die bessere Art seine Freundeslisten und die mit diesen geteilten Inhalte zu verwalten, das stimmige Design oder Alleinstellungsmerkmale wie den Newsstream oder den integrierten Videochat. Dementsprechend groß war auch das Interesse, zumindest der Personen, die sich „professionell“ mit Social Media auseinandersetzen, denn zu Beginn öffnete Google das Netzwerk nur für einen kleinen Kreis an Nutzern.
 
Seit dem 20. September darf nun jeder dabei sein, der Lust hat, Google+ einmal auszuprobieren. Wie zu erwarten führte die Netzwerk-Öffnung dazu, dass die Anzahl an Google+ Usern rapide anstieg. Das Datenaufkommen erhöhte sich um mehr als 1200 Prozent, um dann allerdings nach wenigen Tagen wieder auf das durchschnittliche Volumen zu sinken. Mittlerweile sind 43 Millionen User bei Google+ angemeldet, aber der wirkliche Durchbruch lässt noch auf sich warten. Viele melden sich scheinbar nur an, um sich einmal umzusehen, aber letztlich wieder zu Facebook und Twitter zurückzukehren. So geht eine Studie davon aus, dass auf diesem Wege bereits wieder 60 Prozent der aktiven Nutzer verloren gegangen sind. (Quelle)
 

Google+ oder der Reiz des neuen ist verflogen

Woran es liegt? Das ist nicht ganz klar, allerdings lassen sich einige offensichtliche Punkte ansprechen.

Zum einen ist der Innovationsschub ins Stocken geraten. Nach dem anfänglichen Hype der neuen Funktionen folgte nicht mehr viel. Zwar gab es noch einzelne Verbesserungen, aber keine großen Sprünge. Nur ein Beispiel: Die seit Monaten angekündigten Unternehmensseiten bei Google+, als Pendant zu den Facebook Fanpages, lassen noch immer auf sich warten. Unternehmen, die bereits zum Start des Netzwerks großes Interesse zeigten, werden langsam müde und konzentrieren sich wieder verstärkt auf Facebook. Zumal immer noch in den Sternen steht, wann die Unternehmensprofile endlich vorgestellt werden.
 
Zum anderen hat Facebook auf die Neuvorstellung von Google+ mit einer „Produktoffensive“ reagiert, ob erweiterte Freundeslisten die, wenn auch nicht optisch, dafür funktional mit Googles Circles gleichziehen, oder Facebook Abonnements, die Privatpersonen auf einen Schlag zu Fanpage-Betreibern machen können. Hinzu kommt die Vorstellung der wohl größten Neuerung seit Gründung des Netzwerks, das Timeline-Update der vergangenen Wochen. Viele der neuen überzeugenden Funktionen von Google+ hat Facebook damit bereits adaptiert.
 
Indes ist man bei Google selbst wohl nicht mehr sicher, ob das Netzwerk noch ein Erfolg werden wird. So wurde heute versehentlich eine Nachricht eines Google-Entwicklers publik, der heftige Kritik an der Strategie des Konzerns übte. Der seiner Meinung nach größte Fehler sei die anfängliche Gestaltung von Google+ als geschlossenes System. Google+ fehle die individualisierte Nutzer-Erfahrung, die Facebook durch seine offene Struktur und die zahlreichen Apps biete. Ganz unrecht hat er damit nicht, immerhin öffnet sich das Netzwerk nur zögerlich externen Entwicklern. (Google+ Games)
 
Aber vielleicht sieht man die Entwicklungen von Google+ auch aus ganz falscher Perspektive. Immerhin sagt Google mittlerweile selbst, dass man sich nicht als Facebook-Konkurrent versteht, sondern mit Google+ die Schnittstelle für die gesamte Google-Produktpalette schaffen will, deren soziale Funktion alle zukünftigen Produkte nachhaltig beeinflussen werden. (Quelle)
 
Wir dürfen also weiterhin gespannt sein, was mit Google+ noch kommen mag, auch weil sinkende Traffic-Werte nicht unbedingt einen Niedergang des Netzwerks bedeuten müssen. (Quelle) Google sollte sich allerdings schleunigst etwas einfallen lassen, wie man die Nutzer nicht nur zur Anmeldung, sondern auch zur Aktivität im Netzwerk animiert.
 
Haben Sie Googles soziales Netzwerk bereits einmal getestet? Wie sind Ihre Erfahrungen mit Google+?
 
Ich freue mich auf Ihre Kommentare. 
André Nagel

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