Die Game Developer Conference (GDC) 2011 in San Francisco (28. Februar bis 4. März 2011), die weltweit größte Messe für Spieleentwickler, war dieses Jahr um einen ungewöhnlichen Teilnehmer reicher: Google. Der amerikanische Suchmaschinenanbieter steigt nun offiziell in den Spielemarkt ein. Google will dabei allerdings nicht mit klassischen Spieleherstellern konkurrieren, sondern stattdessen Web-Games mit HTML5, Google Web Toolkit, WebGL und OpenGL ES anbieten. Die Spiele sollen auf dem hauseigenen Browser Chrome, dem mobilen Betriebssystem Android, YouTube und auf dem Google TV laufen. Im Fokus stehen dabei das Social Web und Games im Netz.

Das Phänomen Online-/Social-Games

Angetrieben wird Google dabei offensichtlich von den Erfolgen von Online-Spieleunternehmen wie Zynga. Der Anbieter der Facebook-Hits Farmville, Mafia Wars und CityVille wird von Analysten mittlerweile auf einen Wert von mehr als neun Milliarden Dollar geschätzt. Zynga ist geschäftlich so erfolgreich, weil die eigentlich kostenlosen Spiele mit sinnvollen kostenpflichtigen Zusatzfeatures ausgestattet werden können. Das zumeist einfache Spielprinzip und die Einbindung sozialer Interaktionsmöglichkeiten überzeugen eine Vielzahl von Spielern. Auf Plattformen wie Facebook begeistert Cityville z.B. täglich über 20 Millionen User.(Quelle) Google will nun massiv in den Markt dieser Online-Games vordringen und damit seine eigenen Plattformen um Spiele bereichern und damit für Käufer wie Werbetreibende attraktiver machen.

Parallel zur Vorstellung auf der GDC hat Google bereits eine eigene „Game Developer Central“ eingerichtet. Sie informiert Entwickler über die zur Verfügung stehenden Technologien und über die Plattformen, auf denen die kommenden Online-Spiele laufen sollen. Neben dem Browser Chrome sollen Nutzer auch z.B. direkt auf YouTube spielen können. Die Spiele sollen außerdem auch auf Googles TV-Lösung zur Verfügung stehen. Damit wird das Google TV, wenn auch nur zu einer abgespeckten, Konkurrenz für die heimischen Spielkonsolen. Immerhin hat Google mit Logitech bereits einen Google-TV Hardware Anbieter im Rücken, der auch auf Spieleperipherie spezialisiert ist. So steht einem gepflegten Spiel mit einem Logitech-Gamepad vor dem heimischen mit Google TV ausgestatteten Fernsehgerät nichts mehr im Wege.

Welches Potenzial hat Google Games?

Die unterschiedlichen Dienste von Google nutzen mittlerweile viele hundert Millionen Menschen. Allein Googles E-Mail Dienst Googlemail zählt trotz kleinerer Pannen über 200 Millionen Nutzer. Zudem hat das mobile Betriebssytem Android Apples iOS bereits überholt und wird 2011 auch zahlreiche Tablet-Geräte namhafter Hersteller erobern. Potenzielle Nutzer gibt es für Googles Spieleplattform also genug. Damit ist die Plattform auch prinzipiell für Entwickler interessant. Diese muss Google allerdings in Zukunft überzeugen, exklusive Spiele zu entwickeln und nicht nur Portierungen z.B. von Apples iPhone anzubieten. Denn auch wenn Google sicherlich bald Eigenentwicklungen vorstellen wird, liegt es nun an den Entwicklern, der von Google geschaffenen Online-Spieleplattform Leben einzuhauchen.

In Anbetracht des Erfolgs der sogenannten Online- und Social Games bei Facebook könnte auch Googles Projekt ein Erfolg werden. Die Begeisterung für Spiele wie FarmVille oder CityVille zehrt sich allerdings nicht einzig aus dem Online- und Zwischendurch-Aspekt, sondern vielmehr aus den sozialen Interaktionsmöglichkeiten. Zumindest eine dafür notwendige Facebook-ähnliche Nutzerbasis fehlt Google allerdings momentan noch. Man wird gespannt sein können, ob Google mehr Nutzer für seine Spieleplattform gewinnen kann, als seinerzeit für den sozialen Nachrichtendienst Google Buzz.

Sind für Sie Social Games wie FarmVille oder CityVille interessant bzw. nutzen Sie Facebook häufig, um solche Casual Games zu spielen? Was denken Sie, wird Google Games ein Erfolg?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Viele Grüße,

André Nagel

Google Games oder die neue Welt der Spiele

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