Das weltweit erfolgreiche Gutschein-Portal Groupon hat bei seinem Börsengang am 4. November 2011 rund 700 Millionen Dollar eingenommen. Dabei platzierte Groupon gerade mal fünf Prozent seiner Aktien am Markt. Laut der Börsenaufsicht SEC ist die junge Internet Firma damit nun geschätzte 12,6 Milliarden Dollar wert. Doch auch kritische Stimmen werden immer lauter.  

Im November 2008 gegründet, wuchs das Unternehmen aus Chicago im rasanten Tempo. Nach jüngsten Angaben hat das Unternehmen bereits 140 Millionen registrierte Nutzer. Sie alle bekommen für eine bestimmte Großstadt oder Region Angebote per E-Mail zugeschickt. Heute beschäftigt Groupon in 43 Ländern über 10.000 Menschen. Die meisten davon sind Verkäufer: Sie werben bei lokalen Unternehmen die Deals an, auf denen das Groupon-Modell basiert. Vor allem kleine Unternehmen wie Restaurants, Friseure, Online-Shops oder Kinos können dort Gutscheine für Rabatte verkaufen. Einzige Bedingung: Das Produkt oder die Dienstleistung muss mindestens einen Preisnachlass von 50 Prozent Preisnachlass bieten. Die an Groupon zu zahlende Provision beträgt üblicherweise die Hälfte des Gutschein-Preises.

Konkurrenzdruck und keine Kundenbindung
Ein großer Kritikpunkt am relativ simplen Geschäfts-Modell von Groupon ist, dass es sich sehr leicht kopieren lässt und keinerlei Kundenbindung angestrebt wird. Verbraucher und Händler hält nichts davon ab, einen anderen, vergleichbaren Dienst in Anspruch zu nehmen, oder mehrere parallel zu nutzen. Allein in den USA gibt es bereits Hunderte von Groupon-Wettbewerbern. Giganten wie Google und Amazon sind längst in das Geschäft eingestiegen und graben Groupon Marktanteile ab. Um weiter zu expandieren, um auch nur annähernd so schnell weiter wachsen zu können, braucht Groupon nun Geld. Der Börsengang kam damit zur rechten Zeit. Erkennbar ist, dass Groupons Expansion begrenzt sein wird. Je größer der Wettbewerb, desto schneller ist auch das Ende der Fahnenstange erreicht. Jede Region hat nur eine begrenzte Zahl zu akquirierender Kunden für Groupon. Bis schließlich alle Märkte durchdrungen sind, dauert es aber sicherlich noch einige Jahre.

Was Unternehmen bei einer Rabattgewährung bedenken sollten
Viele Händler hoffen, dass die Groupon-Nutzer ihnen als Stammkunden erhalten bleiben. Doch die meisten sind Schnäppchenjäger, die von einem Angebot zum anderen ziehen. Teilweise sind die Rabattaktionen so gestaltet, dass der Kunde für Zusatzleistungen zahlen muss, die nicht im Gutschein enthalten sind, z.B. im Restaurant die Getränke. Doch viele dieser Hoffnungen haben sich nicht immer erfüllt. Der Anteil am Umsatz ist für viele Händler sehr gering. Die hohe Provision drückt ebenfalls den Umsatz. Der Händler erhält für eine Leistung, die normalerweise einen Euro kostet, höchstens 25 Cent. Der Nachlass beträgt also mindestens 75 Prozent. Eine Befragung von 150 Unternehmen der Rice University's Jones School of Business belegt, dass die Werbeaktionen für rund 30 Prozent der Firmen nicht profitabel waren. Mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, nicht noch einmal bei so etwas mitzumachen. Wirtschaftlich gesehen gewinnt man mit Preisnachlässen langfristig keine Kunden, außer solche, die gezielt Schnäppchen jagen. In betriebswirtschaftlichen Studiengängen wird deshalb von Discountgewährung als Marketingstrategie abgeraten. Außerhalb einer langfristigen Verkaufsstrategie können Preisnachlässe natürlich sinnvoll sein, als Ausnahmen von der Regel. Solche Ausnahmen bestehen beispielsweise dann, wenn Lagerplatz geräumt werden muss, weil die nächste Kollektion vor der Tür steht, wie beim Winter- und Sommerschlussverkauf. Ebenso sinnvoll kann es sein, einen Discount zu gewähren, der nachvollziehbar auf Überkapazitäten zurück zu führen ist. Solche Einkaufsvorteile können an den Kunden weitergegeben werden.

Ziele der Gutscheinanbieter jeweils unterschiedlich
Für den Gastronomiebereich ist es primär eine Maßnahme zur Kundenbindung mit dem Ziel, dass zufriedene Kunden beim nächsten Mal auch ohne Gutschein wiederkommen. Für diverse Freizeiteinrichtungen ist es eher eine Maßnahme zur Kapazitätsauslastung. Unterschiedliche Zielsetzungen haben auch unterschiedliche finanzielle Auswirkungen. Während der Gastronom höchstwahrscheinlich einen Verlust einfährt, so ist das beim Freizeitanlagenbetreiber eher nicht der Fall. Hier reduziert sich lediglich der Gewinn. Ein weiterer Effekt der Discountgewährung ist die Steigerung des Bekanntheitsgrades im Sinne einer Werbeanzeige. Bedenklich ist aber hierbei, dass diese nicht zwangläufig mit einer Imageverbesserung verknüpft ist. Denn wenn ein Produkt oder Dienstleistung nur noch die Hälfte kostet, mag der Neukunde möglicherweise deren Qualität anzweifeln, der Altkunde wird hingegen die regulären Preise anzweifeln und sich in Folge eventuell auch zum Schnäppchenjäger wandeln. Hinzu kommt, dass Schnäppchenkunden oftmals gar nicht über die finanziellen Mittel verfügen, die es ihnen beispielsweise erlauben würden, ein mehrgängiges Menü zum regulären Preis zu bestellen. Diese Kombination spiegelt sich in Umgangsformen wieder, die die eigentliche Zielgruppe, die solventeren Kunden, zusätzlich abschreckt.  

Fazit: Für Unternehmen mit hohen Gewinnspannen, etwa Wellnessanbieter und Schönheitssalons, ist eine Gutscheinaktion sicher interessant. Für Restaurants ist dieses System eher fragwürdig. Gastronomen und Händler mit niedrigen Margen sollten ein alternatives Modell erwägen.  

Was ist denn Ihre Meinung zum Börsengang von Groupon und der Aussicht auf Expansion? Benutzen Sie Groupon geschäftlich oder privat? Und welche Erfahrungen haben Sie bisher mit diesem Anbieter gemacht?  

Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare,  

Dorothea Zeidler  

Quellen und weiterführende Informationen:
http://t3n.de/news/groupon-analyse-zeichen-stehen-fiasko-313670/2/
http://www.media.rice.edu/media/NewsBot.asp?MODE=VIEW&ID=14811

http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2011-11/groupon-boersengang-2/seite-2

http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2011-11/boerse-groupon-erfolg

http://www.focus.de/finanzen/finanz-news/nicht-wie-bei-facebook-boersengang-von-groupon-uebertrifft-erwartungen_aid_681171.html
http://www.wiwo.de/technologie/digitale-welt/discount-webseiten-warnung-vor-rabatt-webseiten-seite-2/5255494-2.html

Groupon – ein überbewertetes Geschäftsmodell?

Groupon-ein Börsenstar?

Satte Rabatte und Schnäppchenjagd auf Groupon

Neuen Kommentar schreiben