Mark Zuckerberg und sein Freunde-Netzwerk Facebook dominieren den Social Network-Markt. Mehr als 500 Millionen Menschen weltweit haben sich so etwas wie eine kleine Parallelwelt im Facebook aufgebaut. Zuckerbergs Netzwerk bildet das soziale Leben seiner Nutzer jenseits von Tastatur und Bildschirm dabei umfassend ab: Nutzer zeigen Freunden ihre neuesten Urlaubsfotos, senden Glückwünsche zum Geburtstag oder diskutieren über aktuelle politische Themen. In einem aber unterscheidet sich das virtuelle Netzwerk von dem Beziehungsnetz im echten Leben: Es vereint unterschiedliche Personenkreise und kommuniziert zu ihnen auf die gleiche Weise.Im echten Leben würden wir unsere Kollegen aber vielleicht gar nicht darüber informieren, welches paar Schuhe wir für das Klassentreffen am Wochenende ausgewählt haben. Und noch viel weniger würden wir unserem Chef das schlecht aufgenommene Video von der letzten ausgelassenen Party zeigen. Gewiss bietet Facebook seinen Nutzern die Möglichkeit, seine sogenannten Freunde manuell in verschiedene Gruppen einzuteilen – bei Kontaktzahlen im dreistelligen Bereich (und die hat der durchschnittliche Facebook-Nutzer) ein mühsames Unterfangen.

Glaubt man den Gerüchten, die seit einigen Tagen im Netz kursieren, so will der Internetkonzern Google genau hier mit seinem eigenen sozialen Netzwerk namens „Google Circles“ ansetzen. Nach Informationen aus dem Weblog „ReadWriteWeb“ soll der neue Dienst wie herkömmliche Netzwerke zum Austauschen von Fotos, Videos und Statusmeldungen einladen. Entscheidend aber sei, dass die Daten jeweils nur innerhalb eines selektiven Kreises (daher der Name „Circles“) von Personen geteilt werden. Die Auswahl, wer die veröffentlichten Inhalte zu sehen bekommt, geschieht bei „Circles“ offenbar zum Teil automatisch und somit bequemer als bei Facebook. Verschiedene Stimmen glauben, der Dienst könne noch in diesem Jahr an den Start gehen. So spekuliert etwa das Computermagazin Chip online auf den 1. April – dem Tag, den Google schon öfter für ernstgemeinte Produktvorstellungen genutzt hat.

Wie glaubwürdig diese Informationen sind, ist schwer einzuschätzen. Für eine Social-Network-Initiative von Google spräche dessen Marktstärke. Wenn jemand mit Facebook-CEO Zuckerberg konkurrieren kann, dann wohl der Web-Gigant, der 2010 mehr als 19 Milliarden US-Dollar Umsatz erwirtschaftet hat (Quelle). Allerdings ist das 2004 gegründete Facebook mit seinen über 500 Millionen Nutzern in der Internet-Welt fest etabliert. Es ist unwahrscheinlich, dass sich ein weiterer Social Network-Dienst erfolgreich auf dem deutschen Markt etabliert. Immerhin verliert bereits der wohl einzig ernstzunehmende deutsche Facebook-Konkurrent StudiVZ seit Monaten sukzessive Nutzer an das „blaue Imperium“ (Quelle). Ob eine kritische Masse an Onlinern bereit ist, neben den bestehenden Netzwerken noch einen weiteren Account zu pflegen, erscheint fragwürdig.

Wenig Beachtung in der Debatte um die Google Circles-Gerüchte findet im Übrigen die Tatsache, dass Google bereits ein soziales Netzwerk betreibt: Orkut heißt die Plattform, auf die Nutzer Bilder teilen und Nachrichten senden können. Wie andere Social Networks bietet Orkut seinen Mitgliedern auch eine Chatfunktion sowie die Möglichkeit, Communities zu gründen und verschiedene Apps zu nutzen. Orkut ist hierzulande allerdings kaum bekannt, boomt dafür in Südamerika – gut die Hälfte seiner Mitglieder stammt aus Brasilien – und Indien (Quelle).

Google selbst dementiert die Informationen zu Google Circles bislang. Das muss aber nichts heißen, schließlich hatte der Konzern auch die Einführung von Android, Chrome und Google Docs zunächst abgestritten. Ob Google also in absehbarer Zeit einen Facebook-Konkurrenten auf den Markt bringt und was er verspricht, bleibt noch abzuwarten. Wir sind gespannt.

Was halten Sie von den Gerüchten um Google Circles? Könnten Sie sich vorstellen, einen solchen Dienst zu nutzen?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Viele Grüße

Franziska Bravo Roger

Konkurrenz für Facebook? Gerüchte um Social Network von Google

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