Social Media sind im Alltag der breiten Bevölkerung angekommen. 2010 surfte fast jeder zweite deutsche Onlinenutzer täglich in Communities und Netzwerken (Quelle). Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen privater und dienstlicher Nutzung immer mehr. Wie sollen Firmen auf diese Entwicklung reagieren? Ein totales Social Media-Verbot während der Arbeitszeit ist aus konventioneller Management-Perspektive nachvollziehbar. Nur führt es in Zeiten von Smartphones und mobilen Internetflatrates möglicherweise nicht allzu weit. Experten empfehlen deshalb: Regeln statt Verbote, denn mit Hilfe von Social Media Guidelines kann aus dem vermeintlichen Risiko auch eine Chance für das Enterprise 2.0 werden.

Social Media Guidelines sind Richtlinien zum Gebrauch der sozialen Medien, die festlegen, welche Mitarbeiter was wann und wo im Web 2.0 veröffentlichen dürfen. Sie legen fest, wie die eigene Meinung in Social Media-Kanälen von der Firmendiktion zu trennen ist und wie viel Arbeitszeit Mitarbeiter im Social Web verbringen dürfen.

Große Firmen machen es vor. SAP, Daimler und Kodak etwa erlauben ihren Mitarbeitern die Nutzung von Web 2.0-Angeboten am Arbeitsplatz – in Grenzen. Wo genau diese liegen, kann sogar öffentlich im Internet eingesehen werden. Ein herausragendes Fallbeispiel für eine erfolgreich etablierte Social Media Policy bietet IBM. Das Unternehmen führt bereits seit Jahren ein erfolgreiches Social Media Marketing, entsprechend früh – schon 2005 – hat der Konzern Richtlinien festgelegt, in denen Mitarbeiter erfahren, wie sie sich in Blogs, Wikis, sozialen Netzwerken und weiteren Social Media verhalten sollen. Die „IBM Social Computing Guidelines“, die auch im  Internet zum Nachlesen bereitstehen, stützen sich dabei auf drei Pfeiler: IBM-Mitarbeiter, die in den virtuellen Welten aktiv sind, sollen sich dort auch als solche zu erkennen geben. Sie sollen darüber hinaus den Unterschied zwischen ihrer eigenen Meinung und der des Unternehmens kenntlich machen und drittens mit allem, was sie im Internet veröffentlichen möglichst Mehrwert generieren.

Bloggen und twittern am Arbeitsplatz. Was auf den ersten Blick nach einer fragwürdigen Arbeitsmoral klingt, kann dem Unternehmen unter Umständen auch nutzen. Jeder Mitarbeiter, der in Social Media kommuniziert, gibt der Firma ein Gesicht. Er betreibt ein persönliches Customer Relationship Management und kann so zum Imagegewinn seiner Firma beitragen oder neue Produkte in der Netzgemeinschaft bekannter machen. Social Media sollten aber nicht nur als bloßes Sprachrohr, sondern auch als Kanal zum Zuhören verstanden werden. So können sie zusätzlich als Stimmungsbarometer und wertvolle Quelle für Feedback dienen. Dass die Vorteile von Social Media-Aktivitäten der Mitarbeiter auch schnell in ihr Gegenteil umschlagen können, liegt allerdings auch auf der Hand. In den Welten des Web 2.0 ist schnell einmal der Frust über das miserable Betriebsklima oder den anstrengenden Kunden getwittert. Das kann sogar unabsichtlich durch falsch versandte Nachrichten passieren.

Handfeste Social Media-Guidelines sind umso wichtiger, um diesem Gefahrenpotenzial so gut wie möglich vorzubeugen. Wie eine Social Media-Guideline konkret aussehen sollte, beschreiben zum Beispiel die Leitfäden des BDVW und des BITKOM. Mit vielen nützlichen Tipps helfen sie Unternehmen, ihre eigenen Social Media-Richtlinien auftzustellen.

Welche Vor- und Nachteile sehen Sie in der Nutzung sozialer Medien am Arbeitsplatz? Gibt es auch in Ihrem Unternehmen bereits Social Media Guidelines? Was müssen diese Ihrer Meinung nach festlegen?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Viele Grüße

Franziska Bravo Roger

Quellen und weiterführende Links:

Schütt, Peter, 2010: Die neuen Marketingkonzepte der IBM. In: Marketing Review St. Gallen 4/2010. S. 54-58.

Faller, David S., 2010: Selbstorganisation oder Anarchie? Erfahrungen zu Enterprise 2.0. Heidelberg. S. 117.

Puscher, Frank, 2010: Bloggen oder arbeiten? In: ct. Magazin für Computertechnik 15/2010. S. 74.

Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010 zur Nutzung von Web 2.0-Communities

Social Media Guidelines von SAP

Blogging Guideline von Daimler

Social Media Tips von Kodak

Leitfaden „Social Media Richtlinien. 10 Tipps für Unternehmen und ihre Mitarbeiter“ des BVDW

Leitfaden „Social Media Guidelines. Tipps für Unternehmen“ des BITKOM

Social Media Guidelines. Erfolgsfaktor im Enterprise 2.0

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