Vorab:

Derzeit sind nach eigenen Angaben mehr als 16 Millionen Nutzer bei den VZ-Netzwerken registriert, aber nur 9,8 Millionen aktiv. Sie stehen im Fokus des Relaunches, doch auch die passiven Mitglieder sollen mittelfristig wieder aktiviert werden. „Wir sind ein Parallelangebot zu Facebook“, erklärt CEO Clemens Riedl. Allein in Deutschland hat Facebook über 20 Millionen Nutzer. „Alle unsere Nutzer sind bei Facebook”, sieht Riedl ein. Es gehe also nicht darum, „in irgendeiner Form Facebook Konkurrenz zu machen.“ Erst einmal steht der Relaunch als “Testversion” zur Verfügung – über einen Link in der linken Navigationsleiste lassen sich die neuen Features aktivieren. Wer die Testversion ausprobiert, wird regelmäßig um Feedback und Bewertungen gebeten. “Der Nutzer steht im Mittelpunkt”, fasst Clemens Riedl die Marschrichtung zusammen. Die Abschaltung des Parallelbetriebs der alten und dann finalisierten neuen Fassung ist für das zweite Quartal 2012 geplant.

Unterschiedliche Funktionalitäten auf drei separaten Netzwerken

In Zukunft werden die drei Netzwerke spezifische Bedürfnisse der Zielgruppe erfüllen, sich also im Feature-Umfang wesentlich unterscheiden. SchülerVZ, das sich an 10- bis 19-Jährige richtet, stellt die Kommunikation mit Mitschülern und Freunden, die Organisation der Freizeitgestaltung sowie das Entdecken von zielgruppenspezifischen Angeboten in den Mittelpunkt. Neu auf schülerVZ ist etwa das Feature „Mein Klassenraum”, ein geschützter Bereich mit speziellen Apps wie Konferenzen und Chats sowie der Möglichkeit, Dokumente auszutauschen, z.B. Hausaufgaben. Bei studiVZ, das Studenten zwischen 19 und 29 Jahren anspricht, dreht sich alles um das Kennenlernen von Kommilitonen an der Uni bzw. innerhalb der Studienrichtung, die Organisation des Studentenlebens sowie die Kommunikation über Studieninhalte. StudiVZ bietet z.B. das Feature „Meine Lehrveranstaltungen“ an. Dabei ist das Layout in drei Spalten aufgeteilt und erinnert an Facebook. Neu ist zudem, dass User parallel chatten und sich etwa ein Video ansehen können. Auch ein Gruppen-Chat sowie weitere Funktionen speziell für den Wissenstransfer werden demnächst eingeführt. Nebenbei sollen die Seiten dank Google Web Toolkit (GWT) auch einfach schneller laden. MeinVZ wird zu freundeVZ – Die Kernzielgruppe von freundeVZ sind junge Erwachsene zwischen 19 und 29 Jahren, die über die Plattform vor allem ihre Freizeitgestaltung organisieren, Leute am selben Ort kennenlernen und mit Freunden und Gleichgesinnten kommunizieren sollen. Bei freundeVZ erhält man zudem die Möglichkeit, sein „Nachtleben“ zu verwalten und zu organisieren.

Das Positive an den Veränderungen bei den VZ-Netzwerken …

Die Nutzer werden in hohem Maße mitbestimmen können, wie die neuen Plattformen aussehen. Sie können Wünsche äußern, die dann – wenn häufig geäußert – auch tatsächlich umgesetzt werden. Ein Beispiel dafür, dass man das bereits getan hat, ist das neue schülerVZ-Design, das künftig farblich dezenter gestaltet wird. Anlass war eine Gruppe, die das alte Design hasste und allein zwei Millionen Mitglieder hat. Dabei wird das System kontinuierlich weiterentwickelt – natürlich immer auf die Vorschläge der Mitglieder hin. Man wolle weg von der Idee, den Nutzern etwas vorzuschreiben. Die Nischenbildung mit starker Spezialisierung auf unterschiedliche Zielgruppen kommt bestimmt auch den Nutzern entgegen, die die neu angebotenen Features nicht auf Facebook und Co. vorfinden.
Zudem sorgen die neuesten Änderungen auf Facebook (Timeline, etc.,) zurzeit auch für viel Skepsis (laut ersten Umfragen). Dass viele Facebook-Nutzer nach Alternativen suchen, zeigt auch das große Interesse an Google+. 

Zu den größten Problemen der VZ-Netzwerke gehört…

die stark anhaltende Mitglieder-Abwanderung zu anderen Netzwerken. Schon seit einer Weile weiß man davon und scheinbar wurde lange nichts dagegen unternommen. An dem Relaunch arbeiteten laut eigenen Angaben ein Jahr lang rund 70 Entwickler und Produktmanager. Diese stille intensive Entwicklung war wohl auch der Grund dafür, warum man die alten Plattformen praktisch links liegen gelassen hat. Facebook und Google+ leben da ein ganz anderes Innovationstempo vor und bleiben damit auch permanent in den Medien präsent. Die VZ-Marke hat letztlich selbst dafür gesorgt, dass sie mit geringer Innovationskraft assoziiert und im Kampf um das „coolere“ Image geschlagen wurde.
 
Studenten heutzutage machen Auslandsemester, reisen viel in den Semesterferien und knüpfen neue Kontakte im Ausland. Viele User der VZ-Netzwerke, allen voran die bei studiVZ sind über nationale Grenzen hinaus vernetzt, bevorzugen daher die großen internationalen Netzwerke. StudiVZ hätte hier auf den Zug aufspringen können, hat aber den Anschluss verpasst. 

Fazit:

Die Änderungen im Design sind vielleicht gut gemeint, aber nicht sonderlich interessant bei einem sozialen Netzwerk. Facebook würde man wohl weder als hübsch, noch als benutzerfreundlich bezeichnen und trotzdem boomt das Netzwerk fast ungebrochen. Der Grund: weil alle dort sind. Da die VZ-Netzwerke allmählich zu Geisterstädten werden, zieht es die Nutzer auch nicht mehr hin. Und so dreht sich die Spirale der Abwanderung immer weiter. Im Wettrennen um die Aufmerksamkeit der Mitglieder war VZ einfach zu langsam und hat sich den Wind aus dem Segeln nehmen lassen.
Für viele junge Leute in Deutschland war studiVZ eines der ersten Social Networks, das täglich sehr intensiv genutzt wurde. Geändert hat sich das, als einfach nichts Neues kam und auch die User und der Content wegblieben. Der ideale Zeitpunkt war da und man hätte darauf aufbauen können, wenn man früher aktiv die Bedürfnisse seiner Mitglieder wahrgenommen hätte.
 
Was haltet Ihr von dem Relaunch? Sind es die Neuerungen wert, den VZ-Netzwerken noch einmal eine Chance zu geben?
 
Ich freue mich auf Eure Kommentare. 
Dorothea Zeidler

VZ-Netzwerke nach Relaunch wieder im Rennen?

schülerVZ

Auch schülerVZ wird mit neuem Design und Features von dem Relaunch profitieren

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